Ausstellungskatalog: Hieronymus Bosch – Visionen eines Genies

2016 jährt sich der Tod des Meisters der Metamorphosen und des Spukspektakels – das Datum Boschs Begräbnisses ist einer der wenigen dokumentierten Fakten seines Lebens. Anlässlich dessen wurde in seiner niederländischen Heimatstadt ’s-Hertogenbosch (kurz: Den Bosch) eine Ausstellung ins Leben gerufen, die nicht nur viele seiner Gemälde versammelt, sondern auch im Rahmen einer groß angelegten Studie des Bosch Research and Conservation Project eine Anzahl frisch restaurierter Bilder präsentiert.bosch_titel800

Für dieses Projekt arbeitete ein Team aus internationalen Fachleuten unter Leitung von Jos Koldeweij und Matthijs Ilsink seit sechs Jahren daran, Boschs Werk mit neuester Technik zu untersuchen und zu dokumentieren. Ein Interview mit Ilsink zur Arbeit der Forschungsgruppe kann hier nachgelesen werden.

Die Ergebnisse des Projektes sind zum einen auf der Website http://boschproject.org/ zu sehen, wo man so nah wie sonst nie an die Werke herantreten und jeden einzelnen Pinselstrich zumindest virtuell untersuchen kann. Zum anderen flossen die neuen Erkenntnisse zu Boschs Werk in den Katalog zur Ausstellung, für den die beiden Projektleiter ebenfalls verantwortlich zeichnen.

Dieser ist in sechs Themengebiete unterteilt, die jeweils inhaltliche Schwerpunkte in Boschs Schaffen untersuchen und den Künstler auch als Zeichner präsentieren.

Der Katalog zur bisher größten Bosch-Ausstellung zeichnet sich durch viele großformatige Abbildungen in guter Qualität aus, wobei insbesondere die Ausschnittabbildungen bzw. Vergrößerungen von Details und die Zeichnungen spannende, teils neue Einblicke in Boschs Schaffen gewähren. Das Ganze wird von erläuternden Texten auf der Grundlage der Erkenntnisse des Forscherteams des Bosch Research and Conservation Project (BRCP) flankiert, die helfen, einen Zugang zu den rätselhaften Werken zu finden. Einziger Wehmutstropfen ist die Tatsache, dass wichtige Bilder, die nicht in der Ausstellung gezeigt werden, im Katalog zwar besprochen werden, jedoch fast unbrauchbar klein abgebildet sind. Dies betrifft zum Beispiel das Weltgerichtstryptichon („Das jüngste Gericht“), welches in Wien zu sehen ist und das Tryptichon „Der Garten der Lüste“ (Madrid, Prado).

Garten der Lüste

In den über 500 Jahren bis heute hat Boschs Werk nichts an Anziehungskraft und Rätselhaftigkeit eingebüßt. Anknüpfungspunkte für den Unterricht gibt es viele – nicht nur thematisch, sondern auch stilgeschichtlich: Boschs Werk kann beispielsweise im Zusammenhang mit Surrealismus und Dada ein weiterer Jubilar in diesem Jahr thematisiert werden.

Auch wenn ein Ausstellungskatalog natürlich nie das Erlebnis vor den Original-Gemälden ersetzen kann, bietet der vorliegende alljenen, die es nicht bis zum 8. Mai in unser Nachbarland schaffen, mit seinen etwa 192 Seiten eine gute Alternative, um sich aus der Ferne mit dem Schaffen dieses außergewöhnlichen Künstlers zu befassen. Zudem ist der Katalog mit knapp 25 € auch weit günstiger als die opulente Publikation „Hieronymus Bosch. Das vollständige Werk“ aus dem Taschen-Verlag (ca. 100 €) und damit für einen Einstieg und Überblick gut geeignet.

Der Katalog ist direkt beim Verlag oder z.B. über amazon.de erhältlich.

M. Ilsink, J. Koldeweij, R. Spronk (Hrsg.): Hieronymus Bosch. Visionen eines Genies. Belser Verlag

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