Fachliteratur: Kunst unterrichten – Didaktische Grundlagen und schülerorientierte Vermittlung

Spät kommt sie, aber sie kommt: die Rezension zu Kunst unterrichten von Kirchner und Kirschenmann. Die beiden Autoren haben mit ihrer mittlerweile ein Jahr alten Publikation eine Lücke geschlossen und eine aktuelle Fachdidaktik geliefert, die die wesentlichen Grundlagen zeitgemäßen Kunstunterrichts zusammenfasst. Das Inhaltsverzeichnis (als pdf beim Friedrich-Verlag einsehbar) deutet den umfassenden Anspruch schon an.KU-klett Fixpunkte, um die immer wieder gekreist wird, sind zum einen die Forderung nach Kompetenzorientierung und Zielgerichtetheit in der Unterrichtsplanung sowie eine konsequente Schülerorientiertheit — der Untertitel deutet es bereits an. Kirchner und Kirschenmanns Ausführungen sind ein Plädoyer für das Anknüpfen von Unterrichtsthemen und -inhalten an die Lebens- und Erfahrungswelt der Jugendlichen: Warum sollte Farbgestaltung nicht auch anhand von Kleidung, Zimmergestaltung oder Design statt Malerei thematisiert werden können? Sind Collage und Fotografie nicht schülerfreundlicher als das Zeichnen?

So widmen sich die ersten drei Kapitel den Fragen nach jugendkulturellen Phänomenen, ästhetischem Vermögen und visuell-ästhetischen Interessen der Jugendlichen sowie daraus abgeleiteten alterstypischen bildnerischen Problemstellungen. Kapitel 4, „Fachdidaktische Fundierung“, beinhaltet auch einen kurzen historischen Abriss zu Tendenzen in der Kunstpädagogik. Es folgt ein Abschnitt zum Thema „Bilder als Medium“. Für eine Vertiefung zu Aspekten der Rezeption und deren Förderung im Unterricht ist jedoch ein anderes Fachbuch unbedingt zu empfehlen: Markus Schoppe, Bildzugänge (2011). Hier findet man auf sehr übersichtliche und anregende Weise ganz konkrete Methoden und Ideen für den Unterricht sowie eine ausführliche, sehr zeitgemäße theoretische Fundierung. Kunst unterrichten hingegen verschafft einen Überblick über die vielen verschiedenen Aspekte des Kunstunterrichts und kann dabei auf den ca. 250 Seiten nicht immer ins Detail gehen. Auch Debatten um Inhalte, Methoden, Strategien und Ziele des Kunstunterrichts würden den Rahmen wohl sprengen und spielen daher in diesem Fachbuch keine Rolle.

Wer ein Handbuch zur konkreten Unterrichtsplanung sucht, wird zunächst vielleicht enttäuscht sein. Es lohnt sich aber unbedingt, beim Lesen einen Notizblock in Reichweite zu legen um die vielen Anregungen und Praxistipps zu sammeln und zu systematisieren, die en passant, mal zwischen den Zeilen und mal ganz konkret, zu finden sind. Kirchner und Kirschenmann verfügen über ausgeprägte Praxiserfahrungen, an denen sie ihre Leser auf jeder Seite teilhaben lassen. Mal gehen die Autoren dabei sehr ins Detail, mal wird sehr verdichtet formuliert und an wieder anderer Stelle bleiben ihre Ausführungen sehr – für Berufsanfänger möglicherweise zu – vage. Die vielen Abbildungen konkreter Unterrichtsbeispiele helfen jedoch, einiges zu verdeutlichen.

Für erfahrene Lehrkräfte – insbesondere diejenigen, die als Mentoren_innen in der Lehrerbildung tätig sind – eignet sich Kunst unterrichten, um das eigene fachdidaktische Verständnis mit aktuellen Forderungen abzugleichen. Für Studierende und Referendare ist es als Basis für kunstpädagogisches Handeln ein hilfreicher Begleiter zur Vorbereitung auf die ersten Praxiserfahrungen und vor allem deren Reflexion. Wer dazu noch Zugriff auf die Ausgaben der Fachzeitschrift Kunst+Unterricht (zu deren Herausgeber-Team die beiden Autoren gehören) hat, dem macht das Buch die individuelle Vertiefung verschiedener Themen sehr leicht, denn sämtliche angesprochenen Aspekte sind mit einem Verweis auf entsprechende Ausgaben der Zeitschrift versehen.

  • Klappentext (jpg)
  • Constanze Kirchner & Johannes Kirschenmann: Kunst unterrichten – Didaktische Grundlagen und schülerorientierte Vermittlung, Kallmeyer/Klett, 2015, ISBN: 978-3-7800-4828-8, zu beziehen über den Friedrich-Verlag oder bei amazon, gebraucht ab ca. 20 €

Ausstellungskatalog: Hieronymus Bosch – Visionen eines Genies

2016 jährt sich der Tod des Meisters der Metamorphosen und des Spukspektakels – das Datum Boschs Begräbnisses ist einer der wenigen dokumentierten Fakten seines Lebens. Anlässlich dessen wurde in seiner niederländischen Heimatstadt ’s-Hertogenbosch (kurz: Den Bosch) eine Ausstellung ins Leben gerufen, die nicht nur viele seiner Gemälde versammelt, sondern auch im Rahmen einer groß angelegten Studie des Bosch Research and Conservation Project eine Anzahl frisch restaurierter Bilder präsentiert.bosch_titel800 Weiterlesen

Das erste deutschsprachige Tape Art Handbuch

Kurz vor Weihnachten landete das Buch Tape Art: Kunst mit Klebeband – Ideen und Projekte in meinem Briefkasten, geschrieben und zusammengestellt vom Tape-Art-Kollektiv Klebebande in Zusammenarbeit mit Eva Hauck. Welches Potential Tape Art für den Kunstunterricht bietet, wurde hier auf dem Blog schon an anderer Stelle beleuchtet, nun steht mit der vermutlich ersten deutschsprachigen Publikation, die sich allein dem Thema Tape Art widmet, auch eine Art Handbuch zur Verfügung.

Klebebande: Tape Art, Haupt Verlag

Klebebande: Tape Art, Haupt Verlag

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