Unterricht

Kompetenzorientierung im Kunstunterricht

Mit Einführung der neuen Rahmenlehrpläne (RLP) vor einigen Jahren fand ein grundlegender Wechsel von einer Orientierung an Inhalten zur Orientierung an der Ausbildung von Kompetenzen statt. Ziel kompetenzorientierten Unterrichts ist nicht allein das Vermitteln von Faktenwissen, sondern die Förderung von Kompetenzen, die fachspezifisch formuliert und im RLP in Form von Standards konkretisiert sind.
Dabei gibt es keinen verbindlichen Zusammenhang zwischen Inhalten, die gelehrt / gelernt werden und den Kompetenzen, die daran erworben werden. Oder andersherum: Die verschiedenen Kompetenzen können im Umgang mit unterschiedlichsten Inhalten erworben werden.
Hintergrund dieses Umdenkens ist ein konstruktivistisches Verständnis von Lehr- und Lernprozessen.

Was genau ist mit Kompetenzen gemeint?

Im Handbuch zum Berliner Vorbereitungsdienst findet sich eine Definition, die recht handhabbar erscheint:

„eine Kompetenz ist die (individuelle) Fähigkeit, variable Anforderungen und Probleme in situationsspezifischen (schulischen) Handlungsfeldern erfolgreich zu bewältigen“

(vgl. Tenorth & Weinert, zitiert im Handbuch Vorbereitungsdienst SenBWF Berlin 2008, S. 12, nachzulesen hier im pdf zum Download).
Kompetenzen schließen damit notwendigerweise sowohl Fertigkeiten und Wissen, als auch die Bereitschaft zum Handeln und das Anwenden der erworbenen Fähigkeiten in den unterschiedlichsten – auch außerschulischen – Kontexten ein. Erst im Handeln werden die erworbenen Kompetenzen auch nach außen deutlich. Für weitere Informationen zum Thema empfiehlt sich u.a. die vom Baden-Würtembergischen Bildungsministerium herausgegebene Broschüre „Lernen im Fokus der Kompetenzorientierung“ (hier als pdf (2,9 MB) abrufbar).

Konsequenzen für den Unterricht

Nie wieder kunstgeschichtliches Fachwissen? Doch – im RLP (Sek I Berlin 2006, S.5) heißt es

„Zur Entwicklung von Kompetenzen wird Wissen gezielt aufgebaut und vernetzt und geht durch vielfältiges Anwenden in kompetentes, durch Interesse und Motivation geleitetes Handeln über.“

Fachwissen zu vermitteln ist nach wie vor wichtig und unumgänglich. Es muss jedoch sinnvoll mit konkreter Anwendung verknüpft sein, da Inhalte eigentlich Mittel zum Zweck des Kompetenzerwerbs, der ja neben reinem Wissen noch weitere Aspekte umfasst, sind. Es findet also ein Wechsel statt von der Frage, welcher Stoff zu behandeln ist, zu der Frage, welche Inhalte, Methoden etc. sich eignen, um den angestrebten Kompetenzzuwachs bei den SuS herbeizuführen.

 Zusammengefasst: Kompetenzorientierter (Kunst-)Unterricht…

  • ist konstruktivistisch gedacht, betrachtet Lernen als individuellen Konstruktionsprozess
  • ist outputorientiert statt inputorientiert
  • geht von zu erwerbenden Kompetenzen aus und sucht geeignete Inhalte, an denen die SuS diese Kompetenzen möglichst selbsttätig entwickeln können,
  • gestaltet Lernumgebungen so, dass den SuS ein möglichst selbstständiger, selbsttätiger, handelnder Umgang mit den Lerninhalten ermöglicht werden kann.
  • schafft authentische Kontexte und beachtet Lebensweltorientierung in der Wahl von Themen und Inhalten
  • berücksichtigt und fördert in besonderem Maße Reflexion und Metakognition – das Nachdenken über eigene Lernwege
  • berücksichtigt den kumulativen Charakter von Lernprozessen, baut auf bereits vorhandenem Wissen auf, erweitert dieses & macht Lernfortschritte deutlich
  • ist transparent für die SuS im Hinblick auf Themen, Inhalte, Ziele, Methoden und Bewertung

Das bedeutet konkret für die Planung…

  1. Diagnose: Was können die SuS bereits und auf welchem Niveau?
  2. Zielsetzung: zu fördernde Kompetenzen festlegen: Was sollen die SuS am Ende der Einheit können? → Schwerpunkt setzen! Evaluation des Lernzuwachses planen.
  3. Auswahl geeigneter Inhalte: Welche Inhalte eignen sich besonders gut für den angestrebten Kompetenzerwerb, welche sind sowohl thematisch als auch kognitiv für meine Lerngruppe geeignet?
  4. Berücksichtigung der Rahmenbedingungen in der Schule: Welche räumlichen, zeitlichen, materiellen, organisatorischen Möglichkeiten / Einschränkungen gibt es?
  5. Auswahl von geeigneten Sozial-und Arbeitsformen im Hinblick auf die zu fördernden Kompetenzen treffen
  6. Einplanung bzw. Entwicklung von Differenzierungsmöglichkeiten
  7. Formulieren von Aufgaben; Wahl geeigneter Operatoren entsprechend des Standardbezugs
  8. Beurteilung des Lernzuwachses planen: Produkt, Prozess, Präsentation, Arbeit mit Kompetenzraster
  9. für Transparenz sorgen im Hinblick auf Ziele, Methoden, Beurteilungskriterien usw.
  10. Miteinbeziehen der SuS in die Planung

Weiterlesen: Kompetenzorientierung und Standards im RLP Berlin

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