Musikvideos im Kunstunterricht #1

Die Welt der Musikvideos bietet eine geradezu unendliche Vielfalt und war schon immer ein Experimentierfeld für neue und ungewöhnliche Möglichkeiten der filmischen Gestaltung. Musikvideos sind zudem nicht nur ein sehr schülernahes Medium, sie eignen sich auch gerade durch ihre Kürze und Prägnanz als überschaubare Beispiele filmischen Gestaltens.
Im Kunstunterricht sind Musikvideos somit für das Erarbeiten und Analysieren filmischer Gestaltungsmittel* wie Montage / Schnitt, Bildaufbau, Ausschnitt, Perspektive, Kameraführung usw. sowie als Anregung für die eigene produktive Auseinandersetzung mit dem Medium Film gleichermaßen interessant und ergiebig.

Wahrnehmungsgewohnheiten hinterfragen und mit ihnen experimentieren

Hier zwei ausgewählte Beispiele, die geschickt mit Wahrnehmungsgewohnheiten spielen, irritieren und damit Anregungen für filmische oder fotografische Experimente im Unterricht bieten:

„Größenwahn“ bei der britischen Band Chikinki: „Like it or leave it“:

Schlafwandeln als Stop-Motion-Animation: Oren Lavie, „Her morning elegance“:

 

* In diesem Zusammenhang sehr umfangreich und nützlich, da speziell für pädagogische Zwecke entwickelt, ist das Portal mediamanual.at, welches sich als „Schnittstelle und Kommunikationsplattform für die aktive Medienarbeit in der Schule“ versteht.

Stop-Motion-Animation im Kunstunterricht: Knethäschen pt.2

Die Sommerferien sind mittlerweile längst vorbei – allerhöchste Zeit, die Fortsetzung des Knethäschen-Beitrages vom Ende des letzten Schuljahres hier zu präsentieren.

Die Animationsfilme sind trotz Unterrichtsausfalls (Sportfest, MSA, Wandertage, Abiturprüfungen und diverse Feiertage) doch noch so gut wie fertig geworden; für Überarbeitung und Vertonung hat die Zeit jedoch leider nicht mehr gereicht. (→ Praxis-Tipp Nr. 1, siehe unten). Aber auch ohne Ton war die abschließende Präsentation in der achten Klasse ein großes Vergnügen. Angeregt wurde über die Qualität der einzelnen Filme diskutiert und bald war klar, welches Team den größten Applaus verdiente: Flüssige Bewegungen, eine interessante Geschichte, sogar eine eingebaute Werbepause:

The Mystery of Trash (1:08min)

Rückblickend war die Unterrichtsreihe eine große Bereicherung für alle Beteiligten: Schwierigkeiten wurden gemeistert, es wurde viel kreativ improvisiert; gegenseitige Hilfe untereinander wurde eine Selbstverständlichkeit und selbst Hausaufgaben wurden erstaunlich gewissenhaft erledigt.

Spaß hat es gemacht — und es ging zwar zeitweise etwas drunter und drüber, dafür aber immer engagiert und motiviert zur Sache.

Dass es auch Probleme gab, soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, jedoch waren die Probleme, die auftauchten, prinzipiell organisatorischer Art: Die Gruppengröße – ISS-Standard mit 26 Schülerinnen und Schülern – barg einige Komplikationen: Generell ist es natürlich nicht leicht, mehr als vier Gruppen gleichzeitig intensiv zu betreuen. Gerade aber, wenn es um das Kopieren und Sichern von Daten geht, kommt es schnell zum Stau – vor allem, wenn man mit nur einem Computer im Kunstraum hantiert.

Im Computerraum einen Tag zum Schneiden einzuplanen wäre sicherlich sinnvoll, aber nur bedingt praktikabel, wenn sich dieser — wie in unserem Fall — im Nebengebäude befindet. Um den unterschiedlichen Arbeitstempi der einzelnen Gruppen gerecht werden zu können, wäre ein Satz Notebooks für den mobilen Einsatz ideal. Aber auch ohne Notebooks ist das Erstellen von Animationsfilmen eine überaus schülernahe und motivierende Angelegenheit. Zur Durchführung daher hier noch zusammenfassend drei kleine Hinweise:

Praxis-Tipp Nr. 1: Großzügig Planen und möglichst langfristig alle Termine im Auge behalten – erfahrungsgemäß funktioniert dies aufgrund der unzähligen Prüfungstermine (10. Klasse und Abitur) und Feiertage im zweiten Schulhalbjahr weniger gut. Daher lieber jetzt im Spätsommer starten und bei gutem Wetter auch draußen arbeiten.

Praxis-Tipp Nr. 2: Als Schnittprogramm empfiehlt sich neben i-Movie übrigens der Windows Live Movie Maker (Windows 7), der sehr unkompliziert das Einstellen der Einzelbilddauer ermöglicht (alle gewünschten Bilder markieren und unter „Bearbeiten“ einfach die Einzelbilddauer mit z.B. 0,1 bis 0,2s festlegen).

Praxis-Tipp Nr. 3: Einen vielfältigen und sehr umfassenden Überblick über Trickfilme im Kunstunterricht mit brauchbaren Materialien und einer DVD bietet die Zeitschrift Kunst+Unterricht Nr. 354/355 (2012).

Stop-Motion-Animation im Kunstunterricht: Knethäschen pt.1

Nachdem einige meiner ehemaligen Referendar-KollegInnen schon während unserer Ausbildung mit SchülerInnen kleine Stop-Motion-Animationen à la Wallace & Gromit herstellten, habe ich nun auch endlich an der ISS eine achte Klasse, mit der ich unsere im Seminar gemeinsam entwickelte Unterrichtsreihe ausprobieren kann.

Hier die ersten Hasen, fertige Filme folgen hoffentlich bald.

Hintergrund

Dass die putzigen kleinen Nager aus Knete auch einen ernstzunehmenden didaktischen Hintergrund haben, versteht sich von selbst und sei hier nur ansatzweise skizziert:
Beim Bauen des Knethäschen lernen bzw. üben die Schülerinnen und Schüler nicht nur das modellierende Verarbeiten von Knete bzw. das dreidimensionale Gestalten (Produktion) sondern auch das Formulieren ihrer Arbeitsschritte in Form einer Anleitung (Reflexion). Auch der Einsatz gestalterischer Mittel wird hier gut überlegt und begründet.

Das Betrachten und Beurteilen der in der Klasse entstandenen Häschen (und der fertigen Filme am Ende der Reihe) schult Kritikfähigkeit, gegenseitige Wertschätzung und Rezeptionsfähigkeiten im Allgemeinen. Beim Erstellen des Films machen sich die SchülerInnen mit den Eigenschaften und Besonderheiten digitaler Medien und ihres Gebrauches vertraut. Durch das Arbeiten in Gruppen werden Kooperationsfähigkeit, Toleranz und auch das Planen von komplexeren gemeinsamen Arbeitsvorhaben geübt.

Dabei ist es immer wieder erstaunlich, wie positiv sich motivierende Kontexte auswirken: Ohne zu murren („Kunst ist doch kein Deutschunterricht!“) und ganz von allein werden dabei Gruppenarbeitspläne akribisch ausgefüllt und die gemeinsame Arbeit gewissenhaft schriftlich geplant und beschrieben. Selbst die sonst schnell vergessenen Hausaufgaben werden plötzlich gemacht — schließlich sollen die Filme ja noch bis zu den Sommerferien fertig werden…

Praxistipp Nr. 1:

Zur sicheren Aufbewahrung eignen sich Plastikbecher, die mit Namen beschriftet werden können.

hase im becher

Praxistipp Nr. 2:

Einen kurzen Film, der den Bau eines Knethäschens sehr anschaulich zeigt, gibt es auf der DVD zum Film „Wallace & Gromit – Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“ oder auch hier bei youtube.