Das erste deutschsprachige Tape Art Handbuch

Kurz vor Weihnachten landete das Buch Tape Art: Kunst mit Klebeband – Ideen und Projekte in meinem Briefkasten, geschrieben und zusammengestellt vom Tape-Art-Kollektiv Klebebande in Zusammenarbeit mit Eva Hauck. Welches Potential Tape Art für den Kunstunterricht bietet, wurde hier auf dem Blog schon an anderer Stelle beleuchtet, nun steht mit der vermutlich ersten deutschsprachigen Publikation, die sich allein dem Thema Tape Art widmet, auch eine Art Handbuch zur Verfügung.

Klebebande: Tape Art, Haupt Verlag

Klebebande: Tape Art, Haupt Verlag

Inhalt

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Reclaim HST – Wem gehört Stralsund?

Street Art und Stadtplanung – unser Beitrag zur Projektwoche im November an der JONA Schule Stralsund: Eine Woche lang widmeten wir uns den Frage: Wie sähe Stralsund aus, wenn wir entscheiden dürften? Fragebögen

Zunächst gab es Inputs zur Stadtplanung und Stadtentwicklung von unseren Geografie-Kollegen: Stadtpläne aus verschiedenen Zeiten wurden untersucht um zu verstehen, warum die Stadt heute so aussieht, wie wir sie kennen. In einem nächsten Schritt wurden aktuelle Stadtpläne nach eigenen Bedürfnissen umgestaltet und Umfragen zur Stadt und zur Zufriedenheit der Bürger und Touristen in Stralsund entwickelt. Außerdem wurden themenbezogene Stadtrundgänge von den SchülerInnen geplant und durchgeführt: Eine Gruppe zeigte uns zugezogenen neuen Kolleginnen Orte, die man unbedingt gesehen haben sollte – im positiven wie negativen Sinne. Eine andere Gruppe untersuchte die Stadt auf ihr Potenzial für Street Art. Es wurde viel gesammelt, fotografiert und nachgedacht. Danach ging es an die praktische Arbeit.

Einige Schülerinnen und Schüler entwickelten Konzepte für ein zukünftiges Stralsund; nicht nur mit Papier, Stift und Schere: Eine Gruppe Achtklässler gestaltete ihre ideale Stadt am PC mit „Minecraft“. Andere Gruppen entwarfen Konzepte in Form von Skizzen, Fotomontagen, Texten und Plakaten. Ein großer Teil der SchülerInnen überlegte sich „Sofort-Hilfe-Maßnahmen“ zur Rückeroberung bzw. Anpassung der Stadt an die eigenen Bedürnisse – hier lag der Schwerpunkt auf Street Art bzw. Urban Interventions. Heraus kam eine Vielfalt an spannenden Ideen, die dann auch gleich – zunächst im Schulhaus, dann auf der Straße – umgesetzt wurden, von Sprechblasen über Abreißzettelchen bis hin zu Paste-Ups zur Verdeckung unschöner Schmiereien und Basketball-Installationen an Mülleimern. In Anlehnung an die in der Stadt gefunden Urban-Knitting-Beispiele knüpften einige Schülerinnen stundenlang eifrig Freundschaftsbänder für die Plastiken der Stadt.

Ein Höhepunkt der Woche war das spontane Reclaim-Stralsund-Picknick mit insgesamt etwa 60 SchülerInnen: Wenn die Stadt doch uns allen gehört, sollten wir sie auch so nutzen dürfen. Ein kleiner Info-Flyer klärte verdutzte Passanten und Touristen über das Anliegen der Schülerinnen und Schüler auf.

Alles in allem eine sehr ereignisreiche und spannende Projektwoche, die den Blick auf die Besonderheiten und Kleinigkeiten der „eigenen“ Stadt bei allen Beteiligten stärkte und zum selbstständigen künstlerischen Interagieren mit der urbanen Umgebung nachhaltig ermuntern konnte.

Buchtipps:

  • Entdecke deine Stadt* verfolgt einen ähnlichen Ansatz, allerdings mit dem Fokus auf städtischen Raum.

Beide Bücher liefern tolle Anregungen zur ästhetischen Forschung und Ideen für Projekte. Umfassende, sehr praxisnahe Informationen, Tipps und Anregungen zum ästhetischen Forschen in der Schule gibt es unter kultur-forscher.de. Sehr empfehlenswert, gerade auch wegen der fundierten theoretischen Ausführungen zum Thema, u.a. dem Leitfaden mit Phasenmodell zur Ästhetischen Forschung (hier zum Download) und einem Video, welches das Konzept sehr anschaulich erklärt.

  • Nach wie vor empfehlenswert als Einstieg in das Thema Urban Interventions mit netten kleinen Anregungen: Kery Smiths Guerilla Art Kit* (ebenfalls neuerdings auf deutsch erhältlich).
  • Sehr gute Anregungen und Unterrichtsbeispiele für thematische Stadtrundgänge, Wahrnehmungsübungen und Site-specific Performances gibt es in  K+U 374/375: Orte performativ erschließen.

Also: Auf’s Frühjahr warten und raus auf die Straße!

(*Amazon)

Klassenraumgestaltung #1

Das Problem: Einen Klassenraum mit möglichst wenig Aufwand verschönern – aber bitte nicht für die Ewigkeit. Die Lösung: ein Griff in die Street-Art-Trickkiste…

Mit Tape Art lassen sich schnell und unkompliziert wiederablösbare Wandbilder gestalten.

Der Begriff Tape Art beschreibt das Kleben von Bildern mit farbigem Klebeband. Entwickelt hat sich diese neue Form des Bildermachens im Kontext von Street Art – entsprechend findet man die geklebten Kunstwerke im öffentlichen Raum.

Mittlerweile haben sich gar unterschiedliche Stile entwickelt, von rein linearen Arbeiten, die wie bei Aakash Nihalani  mit dem Phänomen Perspektive spielen, über den in Berlin tätigen Tape-Art-Pionier El Bocho, der auch schon eine komplette Fassaden gestaltet hat bis hin zum Niederländer Max Zorn, der nur mit braunem Paketklebeband arbeitet und durch das Übereinanderkleben mehrerer Schichten sehr differenzierte Brauntöne gestaltet, wie hier im Video zu sehen.

Wie Tape Art mittlerweile kommerziell genutzt wird, zeigt der Blog einer Stuttgarter Designagentur. Unter den dort dokumentierten Projekten finden sich jedoch interessante, auch für die Schule inspirierende Motive, wie z.B. bei der Gestaltung eines o2-Stores.

Auch das zdf-Morgenmagazin berichtete bereits über Tape Art – eine fragwürdige Ehre, aber ein recht informativer Beitrag, der nebenbei auch zeigt und erklärt, wie ein Tape-Art-Bild entsteht.

Tape Art ist die fassadenschonende Alternative zum Graffiti – die geklebten Bilder halten nicht lange Wind und Wetter stand. Sie sind auch per Hand leicht wieder ablösbar, was ein Korrigieren beim Arbeiten leicht möglich macht. So eignet sich Tape Art auch, das grafische Denken und lineare Arbeiten bei Schülerinnen und Schülern zu fördern – mit hohem Motivationsfaktor. Und wer weiß, vielleicht muss ja auch vor den Grenzen des eigenen Klassenraums nicht halt gemacht werden.

Foto: Sarah Domann

USB-Stick-Kunst Vol.II: (Not so) Digital Art

Kunstwerke mit USB-Sticks macht übrigens in einem ganz anderen Sinne der deutsche Medien-Künstler Aram Bartholl.

Er startete ein partizipatives file-sharing-(Kunst-)Projekt, bei dem USB-Sticks an öffentlichen Plätzen eingemauert werden, so dass lediglich der Anschluss zu erkennen ist. Schließt man hier ein Lesegerät mit USB-Schnittstelle (z.B. den eigenen Laptop) an, kann man sich die auf dem Stick vorhandenen Daten kopieren und oder neue hinzufügen. Zum Mitmachen und Einmauern eigener USB-Sticks wird ausdrücklich eingeladen. Das Projekt wird auf der eigens eingerichteten Website deaddrops.com dokumentiert. Von Aram Bartholl stammen auch viele Installationen im öffentlichen Raum, ganz im Sinne Street-Art-naher Urban Interventions, die mit dem den Gegensätzen digitaler und realer Welt spielen, wie z.B. bei „Map“ von 2006- 2010,

Arram Bartholl „Maps“, Arles (F), www.datenform.de

wo uns aus rein digitalen Zusammenhängen (hier: googlemaps) bekannte Zeichen plötzlich ganz analog und massiv auf die Straße gestellt werden.

Auf Aram Bartholls Website kann man sich viele weitere seiner spannenden Projekte anschauen.

Seine Kunst hat unbedingt Potential für den Kunstunterricht, denn hier werden aktuelle, schülerrelevante Themen wie virtual reality, social networks, Partizipation usw. sozialkritisch aber eben auch wunderbar humorvoll und schülerfreundlich künstlerisch bearbeitet und ganz nebenbei noch Zeichensysteme und unsere Wahrnehmung auf auch für SchülerInnen handhabbare Art und Weise hinterfragt.