Fachliteratur: Schritt für Schritt zum guten Kunstunterricht

Andreas Schoppes „Praxisbuch für Studium, Referendariat und Berufseinstieg“ richtet sich in erster Linie an angehende Kunstlehrerinnen und -Lehrer in den verschiedenen Ausbildungsphasen – und verspricht mit seinem Titel nicht unbedingt wenig. Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis (als pdf auf den Seiten des Friedrich-Verlags) lässt jedoch vermuten, dass Schoppes neues Handbuch hohen Erwartungen gerecht zu werden vermag: Sämtliche relevanten Aspekte der Planung von Kunstunterricht tauchen hier auf, bis hin zu kleinen, in der Praxis aber absolut bedeutsamen Punkten wie der Gestaltung von Gelenkstellen.

Inhalt

Bevor es um die planerischen und fachlichen Grundlagen des Kunst Unterrichtens geht, widmet sich Schoppe dem eigentlich naheliegendsten, das doch oft zu kurz kommt: dem Selbstbild und der Selbstreflexion der angehenden Kunstlehrerinnen und -Lehrer. Das Nachdenken über die eigenen Potentiale und Visionen wird durch Übungen angeregt, konkrete Ideen für Beobachtungsaspekte für Hospitationen werden aufgelistet.

Der Abschnitt „Grundlagen guten Kunstunterrichts“ beginnt mit einer Übersicht über relevante Einflussgrößen in der Unterrichtsplanung, die mit Verweisen auf entsprechende Kapitel (S. 22) und kurzen Erklärungen versehen sind. Es folgt ein kurzer, prägnanter Überblick über „klassische“ und aktuelle Theorien der Kunstpädagogik sowie über gültige Lehrpläne und Schulcurricula, ergänzt durch hilfreiche Links zu Beispielen verschiedener Bildungsserver.

Kapitel 4 befasst sich dann konkret mit der Planung einer Reihe für den Kunstunterricht und handelt dabei tatsächlich „Schritt für Schritt“ alle wesentlichen Aspekte ab. Begonnen wird dabei mit der wohl wichtigsten Einflussgröße: den Schülerinnen und Schülern. Schoppe stellt dazu eine Liste sinnvoller Diagnostik-Varianten zusammen – ein Aspekt, zu dem bisher nicht viel Literatur existiert. Es werden weiterhin 10 Grundprinzipien der Reihenplanung im Kunstunterricht vorgestellt (u.a. Trennung von Lern-und Leistungssituation, Aufgaben als „Motoren des Lernens“, Lebensweltorientierung). Anknüpfend daran wird das erste von vielen Praxisbeispielen präsentiert und ein Schema als Übersicht über ein mögliches Unterrichtsvorhaben (S. 43) vorgestellt. Diese Übersicht kann nicht nur für die eigene Planung nützlich sein, sondern auch gut als Advance Organizer für SuS verwendet werden, um für Transparenz zu sorgen. Ergänzend bereitet Schoppe Leisens Konzept der Lernaufgaben erstmals konkret für den Kunstunterricht auf (S. 52 ff) und veranschaulicht es mit Beispielen.

Nach der Planung einer Unterrichtsreihe widmet sich Schoppe dem Planen von Einzelstunden. Ausgehend von Lernenden und Zielen macht er hier sämtliche Planungsschritte transparent und anhand eines konkreten Beispiels nachvollziehbar – inklusive eines kompletten beispielhaften Verlaufsplanes. Dies kommt einem Rezept, nach dem sich BerufsanfängerInnen so oft sehnen, schon recht nah – jedoch ohne dabei dogmatisch zu wirken. Es werden außerdem wertvolle, praxisnahe Hinweise zu Unterrichtseinstiegen, Gelenkstellen, Ergebnissicherung und Stundenabschluss, aber auch zu Transparenz im Unterricht, Gesprächsführung und Materialorganisation, formuliert. Auch das Konstruieren von Klausuren wird anhand eines ausführlichen Klausurbeispiels thematisiert (Kapitel 9.6).

Kapitel 10 „Diagnostizieren und Vielfalt fördern“ beinhaltet Ausführungen zum Planen inklusiven Kunstunterrichts. Der Abschnitt „Medieneinsatz“ im Kapitel 11 „Routiniert unterrichten“ enthält einen kleinen Exkurs zu digitalen Medien im Kunstunterrichts und Hinweise auf entsprechende Apps. Viele weitere Aspekte, wie außerschulische Lernorte, Bildrezeption und Sprachförderung, aber auch Kooperation im Kollegium (Stichwort Lehrergesundheit) finden in den übrigen Kapiteln Berücksichtigung, bis hin zu Hinweisen und Beispielen für die Examensprüfung und Tipps für den Berufseinstieg danach.

So deckt Schoppes Praxis-Ratgeber alle denkbaren Aspekte ab, die im Zusammenhang mit zeitgemäßem – kompetenz- und schülerInnenorientierten – Kunstunterricht auf der einen und dem „KunstlehrerInnen-Werden“ auf der anderen Seite stehen. Natürlich kann auf ca. 220 Seiten nicht jeder Aspekt vertieft behandelt werden. Der Überblick, den Schoppe gibt, ist dafür umfassend, transparent und bietet vielfältige (Literatur-)Hinweise zur konkreten individuellen Vertiefung.

Form

Schoppes neues Praxisbuch ist außerdem absolut leserInnenfreundlich, in vielfacher Hinsicht: Didaktisch durchdacht wird vor jedem Kapitel einleitend ein kurzer Überblick gegeben, zwischendrin finden sich ergänzende Hinweise und Literaturtipps in grauen Boxen an den Seitenrändern und am Ende folgen konkrete Impulse für die Weiterarbeit bzw. für die direkte Umsetzung in die Praxis.

Beispiel-Aufgaben und Bildbeispiele (auch von Unterrichtsergebnissen), Tabellen und Schaubilder (deren grafische Gestaltung dem Fach leider nicht immer gerecht werden) ergänzen den Text sehr anschaulich. Die zusätzlichen Downloadmaterialien bieten direkt nutzbare Vorlagen.

Schoppes langjährige Erfahrung im Unterrichten an Schulen und im Ausbilden von LehrerInnen macht sich durchweg in Form von konsequenter Praxisorientierung bemerkbar. Die Vielzahl an Beispielen macht seine Ausführungen sehr anschaulich, wie schon in seinen Veröffentlichungen Bildzugänge (2011) und Aufgaben im Kunstunterricht (mit Judith Rompel, 2017; Rezension hier auf dem Blog). Gleichzeitig beweist Schoppe seine umfangreiche Kenntnis auch aktuellster fachdidaktischer Literatur, indem er immer wieder auf relevante Quellen verweist. Auf die nach wie vor andauernden Diskussionen um die inhaltliche Ausrichtung des Faches lässt sich Schoppe dabei nicht ein.

Stärken gegenüber „sonstiger“ Fachliteratur sind außerdem Schoppes klare Sprache, seine bodenständige und transparente Art, über Unterricht zu schreiben und sein Mut, dabei Dinge auch konkret zu benennen, wo sonst häufig nebulös und allgemein formuliert wird. So entsteht eine Klarheit, nach der sich sicher viele angehende Kunstlehrerinnen und -lehrer sehnen.

Fazit

Insgesamt liegt hier also ein Praxisbuch vor, welches eine umfassende, zusammenfassende Ergänzung zu Seminaren jeder Ausbildungsphase bis hin zur Prüfungsvorbereitung darstellt. Darüber hinaus ist es für BerufseinsteigerInnen sowie Quer- bzw. Seiteneinsteiger, und alle, die das eigene kunstdidaktische Handeln „auf den Stand der Dinge“ bringen wollen, als treuer Begleiter und Ratgeber unbedingt zu empfehlen.

  • Andreas Schoppe: Schritt für Schritt zum guten Kunstunterricht. Praxisbuch für Studium, Referendariat und Berufseinstieg. Kallmeyer/Klett, 2019, ISBN: 978-3-7727-1332-3, zu beziehen über den Friedrich-Verlag oder bei amazon, 24,95 €
  • Weitere Infos, Inhaltsverzeichnis, Einleitung und Beispielseiten auf den Seiten des Friedrich-Verlags

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