„Mir fällt nichts ein…“ — Kreativtechniken im Kunstunterricht

Wer kennt es nicht: Wird mit einer neuen Entwurfsaufgabe im Kunstunterricht begonnen, gehen die einen eifrig an die Arbeit, fangen an zu scribblen, zu zeichnen und zu bauen, während die anderen seufzen: Ich weiß nicht, was ich machen soll… ich habe keine Idee… ich bin unkreativ.

Infokarten Kreativtechniken und Fragekärtchen zur Ideenfindung

Hilfen zur Ideenfindung

Im Idealfall hat man als Lehrer oder Lehrerin in einer solchen Situation ein paar Tipps und Tricks parat, mit denen die Ideenfindung unterstützt werden kann. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Kreativtechniken, die Designer bei ihrer täglichen Arbeit nutzen und die mit Schülerinnen und Schülern im Unterricht ausprobiert, besprochen und geübt werden sollten, um ihnen ein Handwerkszeug zur selbstständigen Entwicklung von Ideen an die Hand zu geben.

Eine Einführung verschiedener Techniken kann z.B. als Stationenlernen oder in Gruppenarbeit mit anschließender Reflexion über Einsatzbereiche und Vorzüge der jeweiligen Methoden geschehen. Sind die Schülerinnen und Schüler dann mit verschiedenen Techniken vertraut, reicht später ein Hinweis und eine Materialsammlung, die im Kunstraum zugänglich ist.

Designpoker

Designpoker

Ein Überblick über einige für den Kunstunterricht nützliche Kreativtechniken ist in der Rubrik „Unterricht / Methodik“ zu finden, weiterführende Informationen bietet z.B. die Seite kreativitätstechniken.info. Ein PDF mit Beschreibungen zu vielen Kreativtechniken hat zudem die IHK Hannover online bereit gestellt.

Auch einige aktuelle Kunstbücher haben das Thema Kreativtechniken im Zusammenhang mit Design schon aufgegriffen, z.B.:

„Ich denke jetzt zweimal nach, bevor ich etwas in den Müll werfe“ – Upcycling im Kunstunterricht

Das Jahr neigt sich langsam dem Ende und in den Supermärkten stapeln sich schon seit Wochen kurzlebige weihnachtliche Geschenkideen. Um dem unreflektierten Konsum etwas entgegenzusetzen, hier eine kleine Anregung für alternative vorweihnachtliche Kunststunden: Upcycling im Kunstunterricht.

Was ist Upcycling?

Der Begriff Upcycling fand laut wikipedia erstmals 1994 Erwähnung, als der Ingenieur Reiner Pilz einer britischen Zeitung gegenüber äußerte:

„‚Recycling‘, he said, ‚I call it down-cycling. They smash bricks, they smash everything. What we need is up-cycling where old products are given more value, not less.‘“

Es geht beim Upcycling darum, ausrangierten Materialien und Gegenständen einen neuen Wert zu geben, ohne – wie beim Recycling – ihre Qualität zu verringern („down-cycling“). Ein fast schon klassisches Beispiel aus dem Bereich des Möbeldesigns ist der Rag Chair des niederländischen Designers Tejo Remy, der aus ausrangierten Kleidungsstücken gefertigt wird. Zahlreiche Upcycling- und D.I.Y. Blogs im Internet (einige Beispiele siehe unten) zeugen von der nach wie vor wachsenden Beliebtheit des Konzeptes auch unter „Hobby-Bastlern“.

3 gute Gründe für Upcycling im Kunstunterricht:

  1. Upcycling bietet einen hohen Motivationsfaktor, denn es hat zum einen in vielerlei Hinsicht praktische lebensweltliche Relevanz und lädt zum anderen zum Experimentieren mit unterschiedlichsten Materialien ein
  2. Upcycling kann als handlungsorientierte Einführung in das Thema Design vom Entwurfsprozess bis zur Produktanalyse (oder umgekehrt) dienen
  3. Upcycling ist ein idealer Aufhänger um Nachhaltigkeit und das Entwickeln von Alternativen zu unreflektiertem Konsum, insbesondere in der Vorweihnachtszeit, zu thematisieren und Schülerinnen und Schüler zum aktiven, selbstbestimmten Handeln anregen

Erfahrungen aus der Oberstufe: Design und Nachhaltigkeit als Projektfachkurs

In einem Oberstufenkurs, den wir 2012/13 dem Themenkomplex „Design und Nachhaltigkeit“ widmeten, begannen die Schülerinnen und Schüler mit Produktanalysen (Beispielaufgabe Podcast), gefolgt von Recherchen zum Upcycling-Konzept und Untersuchungen zum eigenen Wegwerfverhalten, welche im Sammeln und Analysieren von zur Weiterverwendung geeignetem „Abfall“ und folgender Erfahrung der Schülerinnen und Schüler mündeten: „Ich denke jetzt zweimal nach, bevor ich etwas in den Müll werfe“.

Material & Ideenfindung

Material & Ideenfindung

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Entwurf für einen Schulneubau – Architektur in der Oberstufe

Im zweiten Semester der gymnasialen Oberstufe („Lebensräume und Alltagskultur“ – Kerncurriculum Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern) das eigene Schulgebäude zu thematisieren, liegt nahe, verbringen die Schülerinnen und Schüler hier doch einen erheblichen Teil ihrer Lebenszeit. Ideal, wenn aktuell auch ein Erweiterungsbau in Planung ist.

Kern des letzten Schulhalbjahres war dementsprechend die Arbeit an einem eigenen Entwurf und deren Dokumentation. (Aufgabe hier als pdf abrufbar)

Gerade Schulen in freier Trägerschaft leisten sich besondere Gebäude entsprechend des Schulkonzeptes (vgl. u.a. Peter Huebners Schulentwürfe für Waldorfschulen). Im Vergleich mit anderen – besonders auch historischen – Schulgebäuden wird der Zusammenhang zwischen pädagogischem Konzept und Architektur schnell deutlich. Fast nebenbei ließ sich daraus ein Exkurs zur Architekturgeschichte in Kurzvorträgen entwickeln, der in einem Zeitstrahl für die Klassenraumwand mündete (Aufgabe als pdf).

Parallel lernten die Schülerinnen und Schüler selbstständig und eigenverantwortlich verschiedene Darstellungsarten des Architektur- Zeichnens im Stationenlernen kennen (Scribbles, Räumliche Darstellungen, technische Zeichnungen, Schnitt, Grundriss, Oberflächendarstellung, Möglichkeiten der Präsentationszeichnung), erarbeiteten sich die wichtigsten Grundbegriffe und Prinzipien der Architektur und wendeten ihr erworbenes Wissen in Analysen und Bewertungen von bereits existierenden (Hoch-)Schulgebäuden an.

Bei der Entwicklung der Entwürfe legten wir ein besonderes Augenmerk auf die Problemanalyse: Welche Interessengruppen gibt es bei Bau eines Schulgebäudes, welche Vorstellungen haben diese, welche Richtlinien und Kriterien sind relevant — eine umfassende und anregende Auflistung findet sich dazu in Schulen der Zukunft: Gestaltungsvorschläge der Architekturpsychologie* von R. Walden und S. Borrelbach. Aktuelle Konzepte der Schularchitektur wurden unter die Lupe genommen und fanden z.T. Eingang in die Entwürfe der Schülerinnen und Schüler. Auf besonderes Interesse stoß dabei Dr. Wilfried Buddensieks Konzept der „Fraktalen Schularchitektur“. Geprägt von ihrem eigenen Schulalltag an einer reformpädagogisch orientierten Schule legten die Schülerinnen und Schüler in ihren Entwürfen großen Wert auf Raum für offenes, selbstständiges und kreatives Arbeiten der Schüler.

Der Bau von Modellen konnte aus Zeitgründen nur in Ansätzen realisiert werden, dafür experimentierten einige Schülerinnen und Schüler ganz eigenständig mit virtuellen Entwürfen (u.a. im Computerspiel „Minecraft“), die sogar einen Rundgang im geplanten Gebäude ermöglichten.

Schulentwurf 1 Mindmap

Als Abschluss ist eine öffentliche Präsentation und das Treffen mit dem Architekten geplant. Die Entwurfsergebnisse der Schülerinnen und Schüler sprechen jedoch jetzt schon für ein gelungenes Architektursemester.

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