Abitur – Nicht ohne K[UNS]T!

Mecklenburg-Vorpommern plant die Wiedereinführung des Leistungskursprinzips in der gymnasialen Oberstufe. Eine gute Sache, aber es gibt einen Haken: Das Fach Kunst und Gestaltung ist – neben einigen anderen – nicht als wählbarer Leistungskurs vorgesehen.

Deutsch, Mathematik, Englisch, die zweite Fremdsprache, Geschichte und Politische Bildung,
Biologie, Chemie und Physik sollen sowohl auf erhöhtem als auch grundlegendem Niveau angeboten werden. Aus diesen Unterrichtsfächern müssen die Schülerinnen und Schüler zwei fünfstündige Leistungsfächer wählen, die doppelt gewichtet werden. Weitere Fächer werden wie bisher zweistündig unterrichtet. (Pressemitteilung des Bildungsministeriums MV Nummer: 208-17, Schwerin, 21. November 2017, hier als pdf abrufbar)

Auch wenn diese Entscheidung nicht überrascht, ist sie doch widersinnig, rücksichtslos und nicht nachvollziehbar.

Es ist also wieder an der Zeit, gemeinsam den Stellenwert des Faches zu verdeutlichen und für eine Stärkung des Faches zu protestieren!

Ein Auftakt in 5 Punkten – Teilen und beteiligen!

Kulturelle Teilhabe und Selbstfindung in Auseinandersetzung mit kultureller Identität

Schülerinnen im Pommerschen Landesmuseum Greifswald

Das Fach Kunst und Gestaltung trägt wesentlich dazu bei, Heranwachsenden die Teilhabe am kulturellen Leben zu ermöglichen – nicht nur durch die Auseinandersetzung mit dem eigenen kulturellen Erbe. Mit den Themenbereichen des Kerncurriculums der Oberstufe – u.a. Medien, Architektur/ Design und Präsentation – erfasst das Fach Kunst und Gestaltung entscheidende Lebensbereiche der Heranwachsenden und lässt sie Kompetenzen erwerben, die sie zur bewussten und auch kritischen Wahrnehmung gestalteter Umwelt sowie zu deren aktiver Gestaltung befähigt. Die Auseinandersetzung mit unserer kulturellen Identität bietet zudem Anlass zur Beschäftigung mit der eigenen Lebensgestaltung und Selbstfindung.

Emanzipation im Umgang mit Bildmedien

Kunst und Gestaltung stellt als bisher einziges Fach konkret das Bild in den Mittelpunkt. In einer Zeit, in der Bilder eine entscheidende Rolle in der Meinungsbildung spielen und Texte gar in ihrer Bedeutung vom Bild abgelöst werden, ist der bewusste und emanzipierte Umgang mit Bildern ein entscheidender Teil von Handlungskompetenz. Bilder sind universelle Sprache unserer heutigen Wissensgesellschaft. Sie eröffnen den Zugang zur Erschließung der Welt. Medienkompetenz und Kommunikationsfähigkeit bilden sich im handelnden, gestaltenden Umgang mit Bildern bzw. Medien, wie er Kernstück des Kunstunterrichts ist.

Sinnliche Erfahrungen

Schülerinnen bei der gemeinsamen Arbeit an einem Bild

Der Kunstunterricht bietet die Möglichkeit vielfältiger sinnlicher Erfahrungen. Momente ästhetischer Erfahrung gewinnen in Zeiten zunehmender Digitalisierung an Bedeutung, denn sie bilden einen Gegenpol zum beschleunigten Alltag und einseitigen Rezeptionsgewohnheiten.

Lerntheorien bestärken die Forderung nach der Verschränkung von sinnlicher Erfahrung und begrifflichem Denken. Die sinnlich-handelnde Auseinandersetzung, wie sie im Kunstunterricht z.B. durch die Transformation von abstrakten Ideen in bildhafte Strukturen geschieht, macht Sachverhalte be-greifbar. Auch die Schulung der Feinmotorik, wie sie im Kunstunterricht durch den Umgang mit unterschiedlichsten Materialien geschieht, darf nicht vernachlässigt werden.

Soziale Kompetenzen, Empathie und Sensibilität

Im Kunstunterricht werden soziale, kooperative Lernprozesse angeregt: Im gestalterischen Handeln gibt es immer wieder Anlässe zu kooperativen Prozessen, die ein Miteinander und Sensibilität, Teamgeist und das gemeinsame Entwickeln und Umsetzen von Ideen fördern. Im Bereich der Rezeption lernen und üben Schülerinnen und Schüler sich zudem darin, aufmerksam und offen für andere Sichtweisen zu werden. Sie entwickeln Toleranz und Kritikfähigkeit im Umgang mit den Bildern und Vorstellungen der anderen. Kunstunterricht bietet die Gelegenheit, dem Ungewöhnlichen und Fremden in Selbstreflexion zu begegnen.

Anders denken lernen

Das Arbeiten analog zum künstlerischen Prozess schult das divergente und spielerische Denken und übt damit im kreativen Lösen von Problemen. Schülerinnen und Schüler lernen in kreativen Prozessen, Umwege zu schätzen und „Fehler“ als Chance zu nutzen. Künstlerische Prozesse schaffen Raum für Neugier, Experiment und Visionen.

In Zeiten, die sich so rasant ändern, dass niemand voraussagen kann, mit welchen Herausforderungen wir uns in 10 oder 20 Jahren konfrontiert sehen werden, leistet Kunst einen entscheidenden Beitrag dabei, junge Menschen zu befähigen, kreative Lösungen zu entwickeln, denn

„Kunst kann dabei helfen, etwas mehrdeutig zu sehen und darzustellen. Sie hebelt die Alltagswahrnehmung ein Stück weit aus und lässt uns die Welt „mit anderen Augen“ sehen.“
(Peez, Georg: Kunstunterricht heute – und morgen auch. Argumente und Konzepte im Überblick. In: Schulmagazin 5-10. Impulse für kreativen Unterricht. Heft Juli / August 7-8, 2007, S. 5-8)

 

Deshalb: Nicht ohne K[UNS]T! 

Beteiligen…

Es gibt unzählige weitere Argumente – Ergänzungen in Form von Kommentaren sind gern gesehen!

… und teilen:

Wer uns unterstützen möchte, das Fach Kunst und Gestaltung auch weiterhin als Leistungskurs in Mecklenburg-Vorpommern anbieten zu können, teilt diesen Beitrag in seinen sozialen Netzwerken! Danke!

2 Kommentare

  1. Kunstunterricht bereitet den Einstieg in kreative Studiengänge vor

    MV würde all seinen zukünftigen kreativen Talenten somit auch den Studien/ Berufseinstieg in beliebten Fächer wie Design, Kunstgeschichte, Bildende Kunst, neue Medien, usw. erschweren.
    Die fehlende Praxis in der Oberstufe wird es ihnen nicht leicht machen mit dem Wissenstand ihrer, aus anderen Bundesländern kommenden, Kommilitonen mit zu halten.
    Es wäre schade, wenn dadurch die Zahl der Bewerbungen an den Hochschulen in MV sinken würde.

    Kunst muss für alle zugänglich bleiben

    Auch die Erstellung der künstlerischen Bewerbungsmappen für die Zulassungsprüfungen müsste dann ohne schulische Anleitung und Unterstützung erfolgen. Kunstinteressierte Schüler könnten zur Vorbereitung auf Volkshochschulkurse o.ä. ausweichen, doch nicht jede Familie kann es sich leisten ihre Kinder dort dementsprechend außerschulisch zu fördern.

  2. Danke, Frau Albert 😉 und wenn man den ersten Punkt weiter spinnt… malen wir uns besser nicht aus, was fehlender qualifizierter Nachwuchs für Auswirkungen auf sämtliche damit verbundenen Branchen in diesem Bundesland hat… Grafik, Mediengestaltung, Film, Design, Architektur, Kulturvermittlung – alle irgendwie auch verknüpft mit Tourismus, allein schon im Marketingbereich…

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