Eine Kiste buntes Klebeband…

Wandbild aus Klebeband…kann auf vielfältige Art und Weise im Kunstunterricht nützlich sein: Allem voran natürlich zum Gestalten von Wandbildern als Tape Art.

Solche Wandbilder können auch als Lernhilfe bzw. Visualisierung von Lerninhalten dienen, z.B. als Klebebild oringinalgroßer griechischer Säulen im Flur der Schule, um daran Aufbau, Proportionen und Fachbegriffe zu verdeutlichen und nachvollziehbar zu machen. Ebenso lassen sich z.B. auch die Proportionen des menschlichen Körpers anhand der Mitschüler und Mitschülerinnen erforschen.

ionische Säulen aus Klebeband

ionische Säulen aus Klebeband

Der große Vorteil dabei: Klebeband ist wiederablösbar (bei entsprechender Sorgfalt und Vorsicht meist auch spurlos) und  so kann wiederholt und problemlos korrigiert werden. Das reduziert mögliche Hemmungen und wirkt motivierend. Zudem wirkt die Wahl eines zunächst ungewöhnlich anmutenden künstlerischen Materials zusätzlich anregend.

Nicht zuletzt ist buntes Klebeband auch als farbenfroher „Schnelleinband“ für die selbstgebauten Skizzenbücher der Schüler unverzichtbar. Mehr zur Herstellung von und Arbeit mit Skizzenbüchern hier.

selbstgemachtes Skizzenbuch

selbstgemachtes Skizzenbuch

Klassenraumgestaltung #1

Das Problem: Einen Klassenraum mit möglichst wenig Aufwand verschönern – aber bitte nicht für die Ewigkeit. Die Lösung: ein Griff in die Street-Art-Trickkiste…

Mit Tape Art lassen sich schnell und unkompliziert wiederablösbare Wandbilder gestalten.

Der Begriff Tape Art beschreibt das Kleben von Bildern mit farbigem Klebeband. Entwickelt hat sich diese neue Form des Bildermachens im Kontext von Street Art – entsprechend findet man die geklebten Kunstwerke im öffentlichen Raum.

Mittlerweile haben sich gar unterschiedliche Stile entwickelt, von rein linearen Arbeiten, die wie bei Aakash Nihalani  mit dem Phänomen Perspektive spielen, über den in Berlin tätigen Tape-Art-Pionier El Bocho, der auch schon eine komplette Fassaden gestaltet hat bis hin zum Niederländer Max Zorn, der nur mit braunem Paketklebeband arbeitet und durch das Übereinanderkleben mehrerer Schichten sehr differenzierte Brauntöne gestaltet, wie hier im Video zu sehen.

Wie Tape Art mittlerweile kommerziell genutzt wird, zeigt der Blog einer Stuttgarter Designagentur. Unter den dort dokumentierten Projekten finden sich jedoch interessante, auch für die Schule inspirierende Motive, wie z.B. bei der Gestaltung eines o2-Stores.

Auch das zdf-Morgenmagazin berichtete bereits über Tape Art – eine fragwürdige Ehre, aber ein recht informativer Beitrag, der nebenbei auch zeigt und erklärt, wie ein Tape-Art-Bild entsteht.

Tape Art ist die fassadenschonende Alternative zum Graffiti – die geklebten Bilder halten nicht lange Wind und Wetter stand. Sie sind auch per Hand leicht wieder ablösbar, was ein Korrigieren beim Arbeiten leicht möglich macht. So eignet sich Tape Art auch, das grafische Denken und lineare Arbeiten bei Schülerinnen und Schülern zu fördern – mit hohem Motivationsfaktor. Und wer weiß, vielleicht muss ja auch vor den Grenzen des eigenen Klassenraums nicht halt gemacht werden.

Foto: Sarah Domann

Stop-Motion-Animation im Kunstunterricht: Knethäschen pt.2

Die Sommerferien sind mittlerweile längst vorbei – allerhöchste Zeit, die Fortsetzung des Knethäschen-Beitrages vom Ende des letzten Schuljahres hier zu präsentieren.

Die Animationsfilme sind trotz Unterrichtsausfalls (Sportfest, MSA, Wandertage, Abiturprüfungen und diverse Feiertage) doch noch so gut wie fertig geworden; für Überarbeitung und Vertonung hat die Zeit jedoch leider nicht mehr gereicht. (→ Praxis-Tipp Nr. 1, siehe unten). Aber auch ohne Ton war die abschließende Präsentation in der achten Klasse ein großes Vergnügen. Angeregt wurde über die Qualität der einzelnen Filme diskutiert und bald war klar, welches Team den größten Applaus verdiente: Flüssige Bewegungen, eine interessante Geschichte, sogar eine eingebaute Werbepause:

The Mystery of Trash (1:08min)

Rückblickend war die Unterrichtsreihe eine große Bereicherung für alle Beteiligten: Schwierigkeiten wurden gemeistert, es wurde viel kreativ improvisiert; gegenseitige Hilfe untereinander wurde eine Selbstverständlichkeit und selbst Hausaufgaben wurden erstaunlich gewissenhaft erledigt.

Spaß hat es gemacht — und es ging zwar zeitweise etwas drunter und drüber, dafür aber immer engagiert und motiviert zur Sache.

Dass es auch Probleme gab, soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, jedoch waren die Probleme, die auftauchten, prinzipiell organisatorischer Art: Die Gruppengröße – ISS-Standard mit 26 Schülerinnen und Schülern – barg einige Komplikationen: Generell ist es natürlich nicht leicht, mehr als vier Gruppen gleichzeitig intensiv zu betreuen. Gerade aber, wenn es um das Kopieren und Sichern von Daten geht, kommt es schnell zum Stau – vor allem, wenn man mit nur einem Computer im Kunstraum hantiert.

Im Computerraum einen Tag zum Schneiden einzuplanen wäre sicherlich sinnvoll, aber nur bedingt praktikabel, wenn sich dieser — wie in unserem Fall — im Nebengebäude befindet. Um den unterschiedlichen Arbeitstempi der einzelnen Gruppen gerecht werden zu können, wäre ein Satz Notebooks für den mobilen Einsatz ideal. Aber auch ohne Notebooks ist das Erstellen von Animationsfilmen eine überaus schülernahe und motivierende Angelegenheit. Zur Durchführung daher hier noch zusammenfassend drei kleine Hinweise:

Praxis-Tipp Nr. 1: Großzügig Planen und möglichst langfristig alle Termine im Auge behalten – erfahrungsgemäß funktioniert dies aufgrund der unzähligen Prüfungstermine (10. Klasse und Abitur) und Feiertage im zweiten Schulhalbjahr weniger gut. Daher lieber jetzt im Spätsommer starten und bei gutem Wetter auch draußen arbeiten.

Praxis-Tipp Nr. 2: Als Schnittprogramm empfiehlt sich neben i-Movie übrigens der Windows Live Movie Maker (Windows 7), der sehr unkompliziert das Einstellen der Einzelbilddauer ermöglicht (alle gewünschten Bilder markieren und unter „Bearbeiten“ einfach die Einzelbilddauer mit z.B. 0,1 bis 0,2s festlegen).

Praxis-Tipp Nr. 3: Einen vielfältigen und sehr umfassenden Überblick über Trickfilme im Kunstunterricht mit brauchbaren Materialien und einer DVD bietet die Zeitschrift Kunst+Unterricht Nr. 354/355 (2012).

Stop-Motion-Animation im Kunstunterricht: Knethäschen pt.1

Nachdem einige meiner ehemaligen Referendar-KollegInnen schon während unserer Ausbildung mit SchülerInnen kleine Stop-Motion-Animationen à la Wallace & Gromit herstellten, habe ich nun auch endlich an der ISS eine achte Klasse, mit der ich unsere im Seminar gemeinsam entwickelte Unterrichtsreihe ausprobieren kann.

Hier die ersten Hasen, fertige Filme folgen hoffentlich bald.

Hintergrund

Dass die putzigen kleinen Nager aus Knete auch einen ernstzunehmenden didaktischen Hintergrund haben, versteht sich von selbst und sei hier nur ansatzweise skizziert:
Beim Bauen des Knethäschen lernen bzw. üben die Schülerinnen und Schüler nicht nur das modellierende Verarbeiten von Knete bzw. das dreidimensionale Gestalten (Produktion) sondern auch das Formulieren ihrer Arbeitsschritte in Form einer Anleitung (Reflexion). Auch der Einsatz gestalterischer Mittel wird hier gut überlegt und begründet.

Das Betrachten und Beurteilen der in der Klasse entstandenen Häschen (und der fertigen Filme am Ende der Reihe) schult Kritikfähigkeit, gegenseitige Wertschätzung und Rezeptionsfähigkeiten im Allgemeinen. Beim Erstellen des Films machen sich die SchülerInnen mit den Eigenschaften und Besonderheiten digitaler Medien und ihres Gebrauches vertraut. Durch das Arbeiten in Gruppen werden Kooperationsfähigkeit, Toleranz und auch das Planen von komplexeren gemeinsamen Arbeitsvorhaben geübt.

Dabei ist es immer wieder erstaunlich, wie positiv sich motivierende Kontexte auswirken: Ohne zu murren („Kunst ist doch kein Deutschunterricht!“) und ganz von allein werden dabei Gruppenarbeitspläne akribisch ausgefüllt und die gemeinsame Arbeit gewissenhaft schriftlich geplant und beschrieben. Selbst die sonst schnell vergessenen Hausaufgaben werden plötzlich gemacht — schließlich sollen die Filme ja noch bis zu den Sommerferien fertig werden…

Praxistipp Nr. 1:

Zur sicheren Aufbewahrung eignen sich Plastikbecher, die mit Namen beschriftet werden können.

hase im becher

Praxistipp Nr. 2:

Einen kurzen Film, der den Bau eines Knethäschens sehr anschaulich zeigt, gibt es auf der DVD zum Film „Wallace & Gromit – Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“ oder auch hier bei youtube.