Reclaim HST – Wem gehört Stralsund?

Street Art und Stadtplanung – unser Beitrag zur Projektwoche im November an der JONA Schule Stralsund: Eine Woche lang widmeten wir uns den Frage: Wie sähe Stralsund aus, wenn wir entscheiden dürften? Fragebögen

Zunächst gab es Inputs zur Stadtplanung und Stadtentwicklung von unseren Geografie-Kollegen: Stadtpläne aus verschiedenen Zeiten wurden untersucht um zu verstehen, warum die Stadt heute so aussieht, wie wir sie kennen. In einem nächsten Schritt wurden aktuelle Stadtpläne nach eigenen Bedürfnissen umgestaltet und Umfragen zur Stadt und zur Zufriedenheit der Bürger und Touristen in Stralsund entwickelt. Außerdem wurden themenbezogene Stadtrundgänge von den SchülerInnen geplant und durchgeführt: Eine Gruppe zeigte uns zugezogenen neuen Kolleginnen Orte, die man unbedingt gesehen haben sollte – im positiven wie negativen Sinne. Eine andere Gruppe untersuchte die Stadt auf ihr Potenzial für Street Art. Es wurde viel gesammelt, fotografiert und nachgedacht. Danach ging es an die praktische Arbeit.

Einige Schülerinnen und Schüler entwickelten Konzepte für ein zukünftiges Stralsund; nicht nur mit Papier, Stift und Schere: Eine Gruppe Achtklässler gestaltete ihre ideale Stadt am PC mit „Minecraft“. Andere Gruppen entwarfen Konzepte in Form von Skizzen, Fotomontagen, Texten und Plakaten. Ein großer Teil der SchülerInnen überlegte sich „Sofort-Hilfe-Maßnahmen“ zur Rückeroberung bzw. Anpassung der Stadt an die eigenen Bedürnisse – hier lag der Schwerpunkt auf Street Art bzw. Urban Interventions. Heraus kam eine Vielfalt an spannenden Ideen, die dann auch gleich – zunächst im Schulhaus, dann auf der Straße – umgesetzt wurden, von Sprechblasen über Abreißzettelchen bis hin zu Paste-Ups zur Verdeckung unschöner Schmiereien und Basketball-Installationen an Mülleimern. In Anlehnung an die in der Stadt gefunden Urban-Knitting-Beispiele knüpften einige Schülerinnen stundenlang eifrig Freundschaftsbänder für die Plastiken der Stadt.

Ein Höhepunkt der Woche war das spontane Reclaim-Stralsund-Picknick mit insgesamt etwa 60 SchülerInnen: Wenn die Stadt doch uns allen gehört, sollten wir sie auch so nutzen dürfen. Ein kleiner Info-Flyer klärte verdutzte Passanten und Touristen über das Anliegen der Schülerinnen und Schüler auf.

Alles in allem eine sehr ereignisreiche und spannende Projektwoche, die den Blick auf die Besonderheiten und Kleinigkeiten der „eigenen“ Stadt bei allen Beteiligten stärkte und zum selbstständigen künstlerischen Interagieren mit der urbanen Umgebung nachhaltig ermuntern konnte.

Buchtipps:

  • Entdecke deine Stadt* verfolgt einen ähnlichen Ansatz, allerdings mit dem Fokus auf städtischen Raum.

Beide Bücher liefern tolle Anregungen zur ästhetischen Forschung und Ideen für Projekte. Umfassende, sehr praxisnahe Informationen, Tipps und Anregungen zum ästhetischen Forschen in der Schule gibt es unter kultur-forscher.de. Sehr empfehlenswert, gerade auch wegen der fundierten theoretischen Ausführungen zum Thema, u.a. dem Leitfaden mit Phasenmodell zur Ästhetischen Forschung (hier zum Download) und einem Video, welches das Konzept sehr anschaulich erklärt.

  • Nach wie vor empfehlenswert als Einstieg in das Thema Urban Interventions mit netten kleinen Anregungen: Kery Smiths Guerilla Art Kit* (ebenfalls neuerdings auf deutsch erhältlich).
  • Sehr gute Anregungen und Unterrichtsbeispiele für thematische Stadtrundgänge, Wahrnehmungsübungen und Site-specific Performances gibt es in  K+U 374/375: Orte performativ erschließen.

Also: Auf’s Frühjahr warten und raus auf die Straße!

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Eine Kiste buntes Klebeband…

Wandbild aus Klebeband…kann auf vielfältige Art und Weise im Kunstunterricht nützlich sein: Allem voran natürlich zum Gestalten von Wandbildern als Tape Art.

Solche Wandbilder können auch als Lernhilfe bzw. Visualisierung von Lerninhalten dienen, z.B. als Klebebild oringinalgroßer griechischer Säulen im Flur der Schule, um daran Aufbau, Proportionen und Fachbegriffe zu verdeutlichen und nachvollziehbar zu machen. Ebenso lassen sich z.B. auch die Proportionen des menschlichen Körpers anhand der Mitschüler und Mitschülerinnen erforschen.

ionische Säulen aus Klebeband

ionische Säulen aus Klebeband

Der große Vorteil dabei: Klebeband ist wiederablösbar (bei entsprechender Sorgfalt und Vorsicht meist auch spurlos) und  so kann wiederholt und problemlos korrigiert werden. Das reduziert mögliche Hemmungen und wirkt motivierend. Zudem wirkt die Wahl eines zunächst ungewöhnlich anmutenden künstlerischen Materials zusätzlich anregend.

Nicht zuletzt ist buntes Klebeband auch als farbenfroher „Schnelleinband“ für die selbstgebauten Skizzenbücher der Schüler unverzichtbar. Mehr zur Herstellung von und Arbeit mit Skizzenbüchern hier.

selbstgemachtes Skizzenbuch

selbstgemachtes Skizzenbuch

Entwurf für einen Schulneubau – Architektur in der Oberstufe

Im zweiten Semester der gymnasialen Oberstufe („Lebensräume und Alltagskultur“ – Kerncurriculum Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern) das eigene Schulgebäude zu thematisieren, liegt nahe, verbringen die Schülerinnen und Schüler hier doch einen erheblichen Teil ihrer Lebenszeit. Ideal, wenn aktuell auch ein Erweiterungsbau in Planung ist.

Kern des letzten Schulhalbjahres war dementsprechend die Arbeit an einem eigenen Entwurf und deren Dokumentation. (Aufgabe hier als pdf abrufbar)

Gerade Schulen in freier Trägerschaft leisten sich besondere Gebäude entsprechend des Schulkonzeptes (vgl. u.a. Peter Huebners Schulentwürfe für Waldorfschulen). Im Vergleich mit anderen – besonders auch historischen – Schulgebäuden wird der Zusammenhang zwischen pädagogischem Konzept und Architektur schnell deutlich. Fast nebenbei ließ sich daraus ein Exkurs zur Architekturgeschichte in Kurzvorträgen entwickeln, der in einem Zeitstrahl für die Klassenraumwand mündete (Aufgabe als pdf).

Parallel lernten die Schülerinnen und Schüler selbstständig und eigenverantwortlich verschiedene Darstellungsarten des Architektur- Zeichnens im Stationenlernen kennen (Scribbles, Räumliche Darstellungen, technische Zeichnungen, Schnitt, Grundriss, Oberflächendarstellung, Möglichkeiten der Präsentationszeichnung), erarbeiteten sich die wichtigsten Grundbegriffe und Prinzipien der Architektur und wendeten ihr erworbenes Wissen in Analysen und Bewertungen von bereits existierenden (Hoch-)Schulgebäuden an.

Bei der Entwicklung der Entwürfe legten wir ein besonderes Augenmerk auf die Problemanalyse: Welche Interessengruppen gibt es bei Bau eines Schulgebäudes, welche Vorstellungen haben diese, welche Richtlinien und Kriterien sind relevant — eine umfassende und anregende Auflistung findet sich dazu in Schulen der Zukunft: Gestaltungsvorschläge der Architekturpsychologie* von R. Walden und S. Borrelbach. Aktuelle Konzepte der Schularchitektur wurden unter die Lupe genommen und fanden z.T. Eingang in die Entwürfe der Schülerinnen und Schüler. Auf besonderes Interesse stoß dabei Dr. Wilfried Buddensieks Konzept der „Fraktalen Schularchitektur“. Geprägt von ihrem eigenen Schulalltag an einer reformpädagogisch orientierten Schule legten die Schülerinnen und Schüler in ihren Entwürfen großen Wert auf Raum für offenes, selbstständiges und kreatives Arbeiten der Schüler.

Der Bau von Modellen konnte aus Zeitgründen nur in Ansätzen realisiert werden, dafür experimentierten einige Schülerinnen und Schüler ganz eigenständig mit virtuellen Entwürfen (u.a. im Computerspiel „Minecraft“), die sogar einen Rundgang im geplanten Gebäude ermöglichten.

Schulentwurf 1 Mindmap

Als Abschluss ist eine öffentliche Präsentation und das Treffen mit dem Architekten geplant. Die Entwurfsergebnisse der Schülerinnen und Schüler sprechen jedoch jetzt schon für ein gelungenes Architektursemester.

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Musikvideos im Kunstunterricht #1

Die Welt der Musikvideos bietet eine geradezu unendliche Vielfalt und war schon immer ein Experimentierfeld für neue und ungewöhnliche Möglichkeiten der filmischen Gestaltung. Musikvideos sind zudem nicht nur ein sehr schülernahes Medium, sie eignen sich auch gerade durch ihre Kürze und Prägnanz als überschaubare Beispiele filmischen Gestaltens.
Im Kunstunterricht sind Musikvideos somit für das Erarbeiten und Analysieren filmischer Gestaltungsmittel* wie Montage / Schnitt, Bildaufbau, Ausschnitt, Perspektive, Kameraführung usw. sowie als Anregung für die eigene produktive Auseinandersetzung mit dem Medium Film gleichermaßen interessant und ergiebig.

Wahrnehmungsgewohnheiten hinterfragen und mit ihnen experimentieren

Hier zwei ausgewählte Beispiele, die geschickt mit Wahrnehmungsgewohnheiten spielen, irritieren und damit Anregungen für filmische oder fotografische Experimente im Unterricht bieten:

„Größenwahn“ bei der britischen Band Chikinki: „Like it or leave it“:

Schlafwandeln als Stop-Motion-Animation: Oren Lavie, „Her morning elegance“:

 

* In diesem Zusammenhang sehr umfangreich und nützlich, da speziell für pädagogische Zwecke entwickelt, ist das Portal mediamanual.at, welches sich als „Schnittstelle und Kommunikationsplattform für die aktive Medienarbeit in der Schule“ versteht.